Wintersport

Koffer gepackt, Haus verlassen – ab nach Kiel. Dieses Jahr ging es wieder nach Hemsedal in Norwegen, gemeinsam mit der Kieler Skischule und dem Verein SV Sportsgeist. Unter dem Projektnamen „Show & Eyes“ wird jedes Jahr eine Skifreizeit organisiert, bei der Menschen mit und ohne Sehbeeinträchtigung gemeinsam auf die Piste gehen – ganz selbstverständlich.

Viele, die das zum ersten Mal hören, fragen sich: Wie funktioniert das eigentlich – Skifahren, wenn man wenig oder gar nichts sieht? Die Antwort ist: Mit guter Kommunikation, Vertrauen und Teamarbeit. In diesem Blog gehe ich auf die Zusammenarbeit zwischen Fahrerin und Guidin ein.

Wie funktioniert das Guiding?

Jede Skifahrerin bekommt ihre eigene Guidin, also eine sehende Begleiterin. Dabei gibt es zwei Arten des Guidings:

  • Für Skifahrerinnen mit Sehrest,
  • und für Skifahrerinnen, die vollständig blind sind.

Wenn man noch etwas sehen kann, fährt man meist „auf Sicht“. Guidin und Skifahrerin sind über Funk verbunden und tauschen kurze Kommandos aus: Wie steil ist der Hang? Wo ist harter, wo weicher Schnee?

Die Guidin fährt vorneweg, die Skifahrerin folgt ihr mit einem Abstand von etwa 1,5 bis 3 Metern – im Optimalfall so eng, dass beide im gleichen Rhythmus fahren und flüssig in die Kurven kommen. Wird das Gelände deutlich steiler und es sind Kurzschwünge nötig, fahren beide im Versatz – also leicht nebeneinander. So bleibt die Orientierung auch bei schnellen Richtungswechseln sicher.

Jede Kurve wird mit „und hopp“ angekündigt – das Signal, mitzuschwingen und die Bewegung fortzuführen.

Wenn Hören zur Orientierung wird

Ist das Sehen nicht mehr möglich, kommt eine Audiobox zum Einsatz. Die Guidin trägt sie auf dem Rücken, und die Skifahrerin orientiert sich an ihrer Stimme. Durch Richtungshören lässt sich genau erkennen, wo es langgeht. Zwischen den Kurven klingt das dann etwa so: „Geht, geht, geht … und hopp!“ – und weiter geht’s über den Schnee.

Damit andere auf der Piste Bescheid wissen, tragen beide auffällige Leibchen mit der Aufschrift „Guide“ und „Blind“. So können sich alle sicher bewegen – und teilen das gleiche Erlebnis: den Spaß am Skifahren.

Skifahren mit einer Sehbeeinträchtigung unterscheidet sich vielleicht in der Art der Kommunikation – aber nicht im Gefühl. Der Fahrtwind im Gesicht, das Knirschen des Schnees unter den Skiern, dieses Freiheitsgefühl auf der Abfahrt – das ist für uns alle gleich. Am Ende zählt nicht, wie man den Berg hinunterfährt, sondern dass man es mit Freude tut.